Vgl. auch Bugged Planet und http://www.daten-speicherung.de/wiki/index.php/Wer_mit_%C3%9Cberwachung_Geld_verdient.

Hersteller von Software für Polizei und Geheimdienste

Die Sicherheitsindustrie (Neusprech für Überwachungsindustrie) ist ein lukratives Geschäftsfeld.

Der sicherheits-industrielle Komplex besteht neben den Unternehmen selbst aus Angehörigen des Bundesministerium des Innern, Polizeiverbänden und den Behörden selbst -- er zeigt sich z.B. deutlich bei Veranstaltungen wie dem Europäischen Polizeikongress.

Zu diesem Dickicht gehört, dass technische Kompetenz keine Voraussetzung für Entscheidungen ist. Politische Minen, Verteilungskämpfe und Korruption tun ein Übriges. Die Hersteller versprechen oft das Blaue vom Himmel und kriegen nur wenig eingelöst. Schlimm genug allerdings, was dann doch klappt, und noch erschreckender, was sich die diversen Obrigkeiten gerne kaufen würden.

Die Auflistung ist unvollständig und bedarf einer laufenden Ergänzung und Korrektur.

Einige Hersteller liefern im Programm der ISS World MEA 2011 (pdf) schöne Selbstbezichtigungen, wenn sie beschreiben, was sie den westasiatischen Potentaten an Unterdrückungstechnologie so alles andienen. (TODO: die interessanteren und seriöseren Anbieter rausfiltern und in die Liste unten einarbeiten).

Eine schöne Übersicht über die verheerenden Einflüsse, die die EU-Kommission durch das Secure Societies-Forschungsprogramm (immerhin 1.7 Mrd Euro) hat, haben 2017 Statewatch und das Transnational Institute vorgelegt: Market Forces.

Digitask

Die Firma Digitask hat den 2011 analysierten und von Bund und vielen Ländern genutzen Staatstrojaner vor allem zum Angriff auf VoIP verkauft. Mehr zum Programm und seinen haarsträubenden Mängeln auf http://www.0zapftis.info.

Digitask hat 2010 auch drei Server zum Mitschnitt des kompletten IP-Verkehrs der in Nürnberg stehenden Server des schweizerischen "Revolutionären Aufbaus" an deutsche Behörden geliefert und dafür etliche 1000 Euro pro Monat kassiert. Dieser Vorgang ist nicht nur aufgrund der Selbstbedienungsmentalität von Digitask bemerkenswert; für eine solche Überwachung gibt es auch keine Rechtsgrundlage, schon gar nicht, wie im vorliegenden Fall, im Wege der Rechtshilfe für die Behörden aus der Schweiz.

Siemens

Fujitsu Siemens stand als Lieferant von Hard- und Software für INPOL-Alt am Anfang der Entwicklung polizeilicher EDV in der BRD und ist immer noch "Hoflieferant" der BRD-Behörden.

Die "Siemens Homeland Security Suite" ist offenbar in der Schweiz im Einsatz. Im EU Observer vom 3.6.2010 ist weiter zu lesen ("EU company admits blame for sale of phone-snooping gadgets to Iran"), dass Siemens auch die Lieferung von Überwachungsausrüstung an den Iran eingegesteht.

Siemens liefert nach Bundestags-Drucksache 17/8102 (Antwort 15, PDF-Seite 24) biometrische Zugangskontrollsysteme für Repressionsbehörden des Bundes.

Cognos

Die Firma COGNOS wird im Zusammenhang mit einer Datawarehouse-Komponente von INPOL-neu in Wolfgang Stieler: "Ärger um NIVADIS", c't 25/2003, S. 60 erwähnt.

Gedas

Die VW-Tochter Gedas hat Poliks der Berliner Polizei (mit-) entwickelt.

Bundesdruckerei

Die Bundesdruckerei versucht sich im Rahmen ihrer Entwicklungen ePass und E-Perso an "Workflows" mit "Entry" oder "Arrest" am Ende. Natürlich sind sie dabei eifrig am Hantieren mit Biometrie.

IBM

IBM hat eine Untergliederung mit dem Titel "Sicherheit und Justiz". In diesem Rahmen wird/wurde Software entwickelt zu robuster Namenserkennung, Bildabgleich, Analyse von Videoüberwachung, Erschließung von Textdaten incl. multilingualem Tagging, Query Expansion etc.

IBM lieferte auch Systeme für den Betrieb des Zentralen SIS, das 2011 auf AIX und Websphere MQ lief.

Bundestags-Drucksache 17/8544 erwähnt, dass das BKA 2010 das IBM-System InfoSphere Global Name Analytics beschafft, aber dann nicht eingesetzt hat, was allein an Lizenzkosten eben mal rund 86 kEuro Subvention an IBM bedeutete.

Bundestags-Drucksache 17/11130 erwähnt, dass das BKA, Bundespolizei und Verfassungsschutz (dieser schon seit 1994!) die Software "Analyst's Notebook" (wohl eine Art GUI zur Visualisierung von zu Repressionszwecken vorgesehenen Daten) einsetzen. Mit der Übernahme des Entwicklers i2 ist nun IBM Lieferant. Etwas pikant dabei, dass das BKA Analyst's Notebook bei Schulungen in Weißrussland vorgeführt hat.

SPSS

Auch SPSS versucht, "Predictive Analytics" an die öffentliche Hand zu bringen und war damit nach eigener Auskunft bereits bei etlichen deutschen Polizeien (etwa Hessen, Hamburg und BaWü) schon erfolgreich.

IABG

IABG ist ein privatisierter Laden, der aus dem Umfeld der Bundeswehr kommt. Im Rahmen von integrierten Systemen bieten sie wohl vor allem Command & Control-Software an.

empolis

Empolis gehörte mal zur Bertelsmann-Tochter arvato, wurde aber inzwischen verkauft. Dabei handelt es sich wohl auch um eine Analyse- und Data Mining-Anwendung, die auch multilinguale Texterkennung und -mining können soll und als Business Intelligence-Anwendung verkauft wird.

Der Kundenliste (11/2009) nach zu urteilen, haben sie bei Polizeien noch kein Glück gehabt, vermutlich weil sie sich bei dem Old-School Lobbyismus der Polizeiverbände nicht so durchsetzen konnten. Sie treiben sich aber auf allerlei Messen und dem alljährlich von der Zeitschrift Behördenspiegel ausgerichteten Europäischen Polizeikongress herum.

BAE Systems

BAE systems ist im Rahmen der "Sicherheits"forschung im siebten Rahmenprogramm der EU am SCIIMS-Projekt zur Entwicklung einer Management-Plattform für "Verbrechen und Migration" beteiligt (vgl. neoconopticon-Blog vom 2.3.2010, "BAE Systems awarded EU contract to develop organised crime database")

Speech Technology Center

Speech Technology Center ist eine russische Firma, die allerlei Repressionstechnologie rund um Stimmerkennung herstellt, so etwa die erste polizeiliche Voiceprint-Datenbank der Welt in Mexiko (2010) oder automatische Transskriptionssysteme.

Unisys

Unisys hat Polizei und Militär zum Kerngeschäft erklärt. Vor allem auf EU-Ebene wird gern bei Unisys gekauft. Beispiele:

  • Die Rechnersysteme von Europol werden zu guten Stücken von Unisys gestellt.

  • Die Schnittstelle zwischen der DNA-Datenbank des FBI (CODIS) und dem Prüm-System wird von Unisys entwickelt (vgl. <<Ratsdokument(8505/09]>>)

  • Nach Eigendarstellung von Unisys hat die Firma EUCARIS sozusagen im Alleingang gerettet.

  • Ein Artikel von Stefan Kermpl auf heise.de (2006) erwähnt noch Unisys-Engagement bei SIS II und VIS, und zwar offenbar vor allem den Biometriekomponenten. Im Fokus des Artikel stehen Versuche von Unisys, Regierungen mit Nebenvorteilen zur Einführung biometriebasierter Identifikationssysteme zu verleiten.

In CILIP 91 (2009) ist eine längere Abhandlung über das Engagement von Unisys im Repressionsbereich erschienen.

ESRI

Eigentlich bekannt als Hersteller von GIS-Software für die zivile Verwaltung, dient sich ESRI mit einem Programm namens CrimeAnalyst (2008) auch der Polizei an. Es wird zumindest in UK von der Polizei eingesetzt. Das Ganze gehtwohl über reine GIS-Funktionalität hinaus und versucht sich an Profiling.

rola

rola Security Solutions stellt die Vorgangsverwaltung rsCase (die sie auch gerne unter dem Label "Data Mining" verkaufen) her. Sie ist in Bayern unter dem Namen Easy im Einsatz, läuft aber auch in NRW als CASE und in Schleswig-Holstein als MERLIN (vgl &quot;Gemauschel bei Polizeiprojekten&quot;, Telepolis vom 23.10.2010). Ebenfalls wird die Software von rola beim BKA und bei der Bundespolizei eingesetzt (z.B. Bundestags-Drucksache 17/8544, S. 20 (2012)).

Auch Europols Analysis Work Files sind im Wesentlichen eine Anpassung von rsCase.

Im Rahmen von rsCase (und dessen Nachfolger rsFrame) werden allerlei Analysekomponenten angeboten, etwa für Text Mining (was z.B. Named Entity Recognition machen soll). Zudem bietet Rola auch allerlei Klickibunti-Programme (iBase, "Analyst's Workstation", "Analyst's Notebook", letztere wohl als Wiederverkäufer von i2 und nach dessen Übernahme durch IBM vielleicht auch nicht mehr) an, deren Zweck es ist Zusammenhänge und Netzwerke visuell darzustellen.

SAP

SAP versucht, mit "Lösungen für die innere Sicherheit" in dem Wachstumsmarkt Fuß zu fassen.

Das primäre Angebot heißt "SAP Investigative Case Management for Public Sector" und scheint eine weitere Vorgangsverwaltung mit einfachen Mining-Möglichkeiten zu sein; offenbar versucht SAP auch, aus den Wirtschaftsverwaltungen in den operativen und dispositiven Bereich zu drängen ("Durch den Zugriff auf Informationen aus Personalverwaltung, Haushaltsmanagement und Logistik erhalten Sie eine ganzheitliche, vollständige und jederzeit aktuelle Sicht auf die Organisation", so ein Werbeflyer von 2008, der auch ansonsten Instinkt für Datenschutz -- Stichwort Zweckbindung -- komplett vermissen lässt).

Steria

Sopra Steria -- "Steria is one of the top five European IT companies in the public sector, providing services to over fifty ministries". Die Tochter Sopra Steria Consulting (ehem. Mummert Consulting, ehem. Steria Mummert) hat auf der Basis von SuSE Niedersächsische Vorgangsverwaltung Nivadis implementiert.

Steria Mummert ist Top-Kontraktor bei SIS II; jedenfalls bekommen sie einen großen Teil der Flak für das Chaos in der Umgebung.

SteriaFIT ist eine "Lösung" zum Management und zur Übertragung von Fingerabdrücken, die offenbar Bilder und Formeln verbindet und zwischen den verschiedenen Systemen überträgt. Steria gibt 2008 an, das System laufe bei Interpol und den Einwanderungsbehörden von über 20 Staaten. Offenbar gibt es proprietäre Übertragungsformate, aber auch schlichte Internet-Mail. Es gibt Erweiterungen für Cellphones und Webserver.

Oracle

Trotz eher überschaubarer Workloads und nicht allzu großer Komplexität der zugrundeliegenden Daten ist Oracle Platzhirsch in den Backends der Polizeisysteme. Symptomatisch ist hier folgende Aussage aus Bundestags-Drucksache 17/8544, S. 21, bezüglich der Fall- und Vorgangsbearbeitungen der Bundespolizeien:

Mit Ausnahme des Verfahrens FISH liegt allen Anwendungen das Datenbank- system der Firma Oracle zugrunde. Für FISH kommt das Datenbanksystem ADABAS der Firma Software AG zum Einsatz.

Dabei ist zu bedenken, dass Oracle in aller Regel "im Paket drin ist"; wie weit Oracle gezielt bei Repressionsbehörden Marketing betreibt, wäre eine interessante Recherche.

T-Systems

Als Großauftragnehmer im öffentlichen Bereich ist T-Systems immer wieder dabei; so hat T-Systems den ersten Versuch von INPOL-Neu entwickelt (bevor sie von KPMG ausgebootet wurden).

Nach Bundestags-Drucksache 17/8544, S. 20, war T-System Auftragsnehmer für INZOLL (vgl. Datenbanken des Zoll).

Atos Origin

Atos Origin hat eine eigene Abteilung Public Sector, die u.a. allerlei Entwicklung für diverse Militärapparate vornimmt. Im engeren Repressionsbereich ist Atos offenbar Hauptkontraktor für SIS (warum SIS II nicht an Atos ging, wäre eine interessante Frage).

Red Hat

Repressionsbehörden migrieren zunehmend weg von proprietären Unixen. In Niedersachsen hat die Polizei früh auf Linux gesetzt, inzwischen ist Red Hat dominierend bei der Ablösung der alten Systeme. So laufen 2011 etwa mindestens die SIS-Spiegel in Belgien, Bulgarien, der Schweiz, Estland, Slowenien und der Slowakei unter RHEL 5.X. Das BKA hat wohl Pläne zur Migration von den alten HP-UX-Systemen.

Orange

Orange Business Services stellt 2011 die Infrastruktur von SISNET zur Verfügung. Die Firma konnte zumindest zeitweise mitlesen, was die einzelnen SIRENEn so miteinander zu reden hatten. TODO: Link, Details.

EBS Elektronik GmbH

Eine Elektronikfirma mit Sitz in München, die die GPS-Peilsender für den Zoll und die Bundespolizei und vermutlich noch weitere liefern. Webseite: http://www.ebs-electronic.com

Cognitec

Liefert nach Bundestags-Drucksache 17/8102 (Antwort 15, PDF-Seite 24) den Bildabgleich für die Fotosuche in INPOL.

DotNetFabrik

Liefert nach Bundestags-Drucksache 17/8102 (Antwort 15, PDF-Seite 24) irgendeine Software zum Abgleich von Kindesmisshandlungsbildern.

DigitEV

Liefert nach Bundestags-Drucksache 17/8102 (Antwort 15, PDF-Seite 24) irgendeine Software zum Abgleich von Videos von Kindesmisshandlungen.

L1 Identity Solutions

Liefert nach Bundestags-Drucksache 17/8102 (Antwort 15, PDF-Seite 24) Bildabgleichsoftware für ein System namens EasyPASS (das wohl einfach Live-Kamerabilder mit den digital gespeicherten Gesichtsfotos abgleicht; eine Speicherung findet nach Auskunft der Regierung nicht statt).

SIM Security & Electronic System

Wollte laut Bundestags-Drucksache 17/8102 (Antwort 15, PDF-Seite 24) Bundesbehörden eine Software "Road Eye" andrehen, die vermutlich versprach, in Überwachungsvideos Personen zu finden. Das hat aber offenbar nicht gut funktioniert ("Die Software erwies sich für den geplanten Einsatzzweck jedoch als ungeeignet").

ERA Solutions

Hat laut eines Berichts des BfDI zum Digitask-Trojaner (2012) bis 2007 Staatstrojaner an das Zollkriminalamt geliefert (und wurde dann von Digitask ausgebootet).

Dataport

Bundestags-Drucksache 17/8544, S. 20 (2012) gibt an, Dataport sei der Hersteller der von der Bundespolizei und einigen Ländern eingesetzen Vorgangsverarbeitung @artus.

GFaI

Die "Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik" hat nach Bundestags-Drucksache 17/8544, S. 20 (2012) für das Kriminaltechnische Institut des BKA Vorgangsverarbeitungen namens KISS und FISH programmiert.

Novotec

Novotec gesteht freimütig die Verdatung der chinesischen Polizei.

Syborg

Laut niedersächsischer Landtagsdrucksache 16/4116 hagen niedersächsische Polizeibehörden 2009-2011 Angriffs-Software der Firma Syborg für Einbrüche in Rechner Verdächtiger genutzt, jeweils unter dem Titel "Quellen-TKÜ" (vgl. Staatstrojaner).

Nach Bundestags-Drucksache 17/11130 schreibt Syborg auch eine Software namens "Hermes", zur "Bearbeitung und Auswertung von Telekommunikationsüberwachungen"; vermutlich ist das so eine Art Audioschnipselverwaltung mit ein paar Metadaten (Zeit, Gesprächspartner, Notizen). Vgl. auch die haarsträubende Geschichte mit dem nicht löschbaren Telefonsex beim 2012er Bericht zum Staatstrojaner.

Laut einer Meldung beim Virtuellen Datenschutzbüro vom 2.2.2012 hat auch Berlin bei Syborg Software zum Ausspähen in Computer eingekauft; 280000 Euro sind geflossen.

TEMIS

TEMIS ist eine französische Firma, die vor allem im Bereich der maschinellen Sprachverarbeitung aktiv ist und da schon allerlei Deals an Land gezogen hat. Offenbar versuchen sich jetzt auch etliche Behörden an "Text Mining", so etwa nach Aussage der Bundesregierung (Bundestags-Drucksache 17/11130) Europol.

Human IT

Human IT verkauft diversen Bundespolizeien ein Programm namens INFOZOOM zur "Filterung von Daten in Tabellenform". Bundestags-Drucksache 17/11130 berichtet weiter, das BKA setze diese Tabellenfilterung auch mal "zur Gefahrenabwehr" ein, während die Bundespolizei damit nur ihre Kriminalstatistik macht.